Prachatice (CZ)

Unsere Schüler im Maximilianeum: Deutsch-Tschechisches Verhältnis beleuchtet

 

Florian Fink aus unserer Q11 und zwei Waldkirchener Oberstufenschüler berichten:

 

Am 23.01.2020 sind wir, 32 Schüler der Oberstufe der Gymnasien Freyung und Waldkirchen, auf Einladung der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in die Landeshauptstadt München gefahren, um an der Veranstaltung "Europäische Dialoge: Václav Havel“ teilzunehmen.
Zuerst besuchten wir hierzu einen Workshop im Gasteig. Dort wurden die Themen europäische Identität, europäische Geschichte(n) und Umwelt angesprochen. Dabei konnten wir uns mit anderen Schülern aus Münchner Schulen austauschen und rege Diskussionen führen. Durch interaktive Elemente, wie Puzzles oder ein Quiz konnten die Inhalte leicht vermittelt werden.
Den Mittag verbrachten die Schüler des Gymnasiums Freyung im Hofbräukeller und die Waldkirchener Schüler waren in der Kantine des bayrischen Landtags.
Anschließend wurden in der Dikussionsrunde im ehemaligen Senatssaal des Maximilianeums die im Vormittag erarbeiteten Themen von verschiedenen Referenten aufgegriffen und näher beleuchtet. Der Leitfaden durch alle Themen war die bayrisch-tschechische Geschichte im 20. Jahrhundert, in Zeiten des Nationalsozialismus und Kommunismus und des daraus resultierenden eisernen Vorhangs, aber auch in der Zeit seit 1990.

Die Eröffnungsreden hielten Landtagspräsidentin Ilse Aigner und der tschechischer Botschafter Tomáš Podivinsky. Die Diskussionsrunde wurde mit dem Schwerpunkt europäische Geschichte(n) begonnen. Die drei Diskutantenn, die dieses Thema behandelt haben, waren vom tschechischen Außenministerium Tomáš Kafka, MdEP a.D. Bernd Posselt und der ehemalige Außenminister Tschechiens, Karel Schwarzenberg.
Nach einer kurzen Kaffeepause referierten Tomáš Ignác Fénix, Georg Scheitz und Rosi Steinberger über das Thema Umwelt mit dem Schwerpunkt Agrarpolitik.
Der letzte Punkt, die europäische Identität, wurde von Rupert Grübl, Maria Donata di Taranto und Tomáš Sacher erläutert.
Konkludierend kann man behaupten, dass der ganze Tag sehr informativ war und dass uns die hochkarätigen Referenten ihr jeweiliges Fachgebiet sehr gut vermitteln konnte.

Durch die Interaktion konnten schulübergreifend neue Freundschaften geknüpft werden. Darüber hinaus wurde die deutsch-tschechische Beziehung neu beleuchtet, auch im Kontext der aktuellen, gesamteuropäischen Probleme. Wir alle wurden also dazu angehalten, die Vorurteile abzubauen und an der aktuellen Situation zu arbeiten, um die EU weiter zu stabilisieren, um Frieden, Freiheit und Wohlstand in allen Ländern erhalten zu können.

 


Gymnasium Freyung und Prachatice zu Besuch in Passau

 

Als Achtklässler sind Schüler des Gymnasiums Freyung und des Gymnasiums Prachatice  zu Beginn des Schuljahres 2018/19 das erste Mal in Prachatice, der Heimat der tschechischen Schüler,  zusammengekommen. Einem Gegenbesuch in Freyung und einem gemeinsamen Tagesausflug nach Krumau folgte nun die letzte gemeinsame Aktion im Rahmen des Projektes „Schule ohne Grenzen“, das von der Euregio finanziert und vom Landratsamt Freyung organisiert wird: ein Ausflug in die Dreiflüssestadt Passau. Die Begrüßung gestaltete sich aufgrund des heftigen Windes recht turbulent, Sonnenschein und blauer Himmel garantierten aber das passende Ambiente für eine Stadtführung mit dem Stadtfuchs. Die tschechische Lehrkraft Lenka Plankova Ernstova staunte nicht schlecht, als ein altertümlich gekleideter Edelmann sie als Herrin der Reisenden mit einem Handkuss begrüßte. Doch auch die Schüler wurden in die mal etwas andere Geschichtsstunde eingebunden: Protagonisten waren der Fürstbischof – der stets mit „Euer Exzellenz“ angesprochen werden musste – und der Bürgermeister der Stadt. Die wohl amüsanteste Rolle war jedoch die eines ca. 1,20 m großen tschechischen Schülers, der die größte Kanonenkugel der Stadt symbolisierte. Den Freyunger Schülern dürfte es wohl missfallen haben, dass der Fürstbischof dem „Bayerischen Wald“, den der Edelmann auf eine Fläche von 35km auf 45km bemaß und mit dem italienischen Stiefel verglich, kaum Interesse entgegenbrachte. Harte Winter, schlechte Böden und arme Untertanen weckten die Begeisterung des Fürsten nicht, dessen Macht sich in erster Linie auf geistliche Güter stützte. Im Zentrum der Herrschaft als Bischof endete die Führung auch: am Passauer Dom. Im Anschluss hatten die Schüler noch Gelegenheit, die Stadt selbstständig in Gruppen zu erkunden. Nach dem zwar witzigen, aber doch kulturellen „Input“ zog es die meisten Schüler nun zum Shoppen in die Stadtgalerie.

 

Carina Rendchen (2019)

 

Bild: Freyunger und Prachaticer Schüler in Passau von Carina Rendchen: Freyunger und Prachaticer Gymnasiasten vor dem Passauer Dom mit ihren Lehrkräften Thomáš Soumar und Michael Köberl

 


Von Vampiren, Bären und Renaissanceschlössern

Gymnasiasten aus Freyung und aus Prachatice erkunden gemeinsam das südböhmische Krumau

 

Die Sonne strahlte genauso vom Himmel wie die deutschen und tschechischen Schülerinnen und Schüler, die sich am Dienstag zu ihrem gemeinsamen Tagesausflug in Český Krumlov trafen. Nach einem Besuch der Schule in Prachatice und dem Gegenbesuch am Gymnasium Freyung war dies nun das dritte Treffen der Austauschpartner im Rahmen des Projekts „Schule ohne Grenzen“, das von der Euregio unterstützt wird.

Der gemeinsame Tag begann mit einer Führung durch das Schloss Krumau, bei der die Schülerinnen und Schüler vieles über dessen bis ins 13. Jahrhundert zurückreichende Geschichte erfuhren. Im 16. Jahrhundert erweiterte Wilhelm von Rosenberg die Anlage zu einem repräsentativen Residenzschloss im Stil der Renaissance und des Barock, die im heutigen Zustand mit einer Gesamtlänge von über 3 km eine der größten in Tschechien ist. Eine Besonderheit hat aber sonst keine: Im Burggraben lebt nämlich noch heute eine echte Bärendame mit dem Namen Maria Theresia!

So großzügig die Räume im Schlossinneren gestaltet sind, so eng ist der Aufgang auf den Schlossturm – zumal, wenn über 60 junge Leute gleichzeitig auf die obere Etage wollen. Beim Blick von oben auf die Stadt trat den Schülerinnen und Schülern klar vor Augen, woher deren Name stammt: sie liegt auf einer krumben ouwe, also einer krummen Au, die von der Moldau malerisch umrahmt wird.

Nach einem Mittagessen mit typisch tschechischen Spezialitäten machten sich die Austauschpartner zu einer zweisprachigen Stadtführung auf. Die Stadtführerinnen wussten manch Geschichte zu erzählen, z. B. von einem auffällig geformtem Radabweiserstein am ältesten Renaissance-Haus der Stadt oder von der in der St.-Veits-Kirche bestatteten Eleonore zu Schwarzenberg, die von ihren Zeitgenossen im 18. Jahrhundert für eine Vampirin gehalten worden war. Ihr Sarg soll sogar mit Steinen beschwert worden sein, damit sie ihm nicht wieder entsteigen könne.

Diese spannende Einführung in die Historie der Stadt im Böhmerwald und der sich um sie rankenden Sagen und Legenden bot den deutschen und tschechischen Schülerinnen und Schülern viel Gesprächsstoff. Beim nächsten Treffen, das für Anfang des kommenden Schuljahres geplant ist und bei dem das Freyunger Gymnasium wieder der Gastgeber sein wird, soll der Kontakt zwischen den zwei Schulen weiter vertieft werden.

 

Text und Bilder: Tanja Wagner (2019)

 

Fotos:

Die Austauschpartner aus Prachatice und aus Freyung im Hof des Krumauer Schlosses mit Blick zum Schlossturm, den die Schülerinnen und Schüler gemeinsam erklommen.

Bei strahlend blauem Himmel und vor der pittoresken Kulisse des Krumauer Schlosses erläuterte die Stadtführerin interessante Fakten zur Geschichte der Stadt, deren Altstadt seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.


„Schule ohne Grenzen“

Treffen tschechischer und deutscher Schüler am Gymnasium Freyung

 

Die gemeinsamen Unternehmungen von Schülern aus Prachatice und vom Gymnasium Freyung sind seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr aus dem Schulterminkalender wegzudenken.

 

Nach einer gemeinsamen Erkundung des südböhmischen Prachatice im ersten Schulhalbjahr, folgten nun die tschechischen Schüler der Einladung der Freyunger Gymnasiasten in den Bayerwald und verbrachten erneut zusammen einen informativen und unterhaltsamen Vormittag. Sie hörten u. a. von bayerisch-böhmischen Geistergeschichten und tierischen Grenzgängern im Museum „Jagd Land Fluss“, bevor sie sich am Ende zu einer Schulhausführung am Gymnasium Freyung und einem gemeinsamen Mittagessen in der Schulmensa einfanden.

 

Zunächst trafen sich alle in der Kreisbibliothek, wo die Jugendlichen und ihre Lehrer Tomáš Soumar und Marie Myšáková aus Prachatice sowie Michael Köberl und Tanja Wagner aus Freyung sehr herzlich von Leiterin Notburga Schreiner empfangen wurden. Sie freute sich, erneut eine Delegation aus Tschechien begrüßen zu dürfen und erinnerte an vergangene, grenzüberschreitende Veranstaltungen.

 

Den Auftakt bildete eine musikalische Darbietung der beiden Achtklässler Josef Wurm und Matthias Blob, die einen „Slowenischen Bauerntanz“ aufspielten.

 

Dann berichtete Karl-Heinz Reimeier, Kreisheimatpfleger des Landkreises Freyung-Grafenau, seinen interessierten Zuhörern von der Geschichte der Region und las anschließend jahrhundertealte Geschichten aus der bayerisch-böhmischen Grenzregion vor. Marie Myšáková, die in Prachatice Deutsch und Tschechisch unterrichtet, übersetzte für die Gäste.

 

So hörten die Schülerinnen und Schüler von einer Heiligenstatue aus Chroboly, einer Nachbargemeinde von Prachatice, die nicht als Brennholz enden wollte und daher an Lichtmess in einen Brunnen sprang, ebenso wie von Wassermännlein, die eine neugierige Magd zu sich holten. Aber auch einige Weihraz-Geschichten, also Geschichten von armen Seelen, die in unserer Welt umherirren, schilderte Karl-Heinz Reimeier den jungen Leuten. Er erzählte von einer Katze, die einen Spaziergänger piesackte und sich schließlich in den Teufel verwandelte, des Weiteren von einem feschen Mädchen, das mit dem Teufel tanzte und tot niedersank, als sie sich dessen gewahr wurde. Aber nicht alle Weihraz-Geschichten gehen so schlimm aus! Karl-Heinz Reimeier erzählte daher auch von einer Lehrerin, die nach dem Ableben ihres Mannes, einem großen Vogelfreund, Besuch von Scharen von Vögeln in ihrem Garten bekam, und von einem Grafenauer, den eine helle Lichtkugel durch einen Wald geleitete und am Waldesrand mit der Stimme der verstorbenen Mutter des Mannes zu ihm sprach.

 

Nach dieser mystischen Reise durch die Literatur- und Sagenwelt der bayerisch-böhmischen Grenzregion machten sich die Prachaticer Schüler mit ihren deutschen Austauschpartnern auf den Weg ins Schloss Wolfstein. Im dortigen Museum „Jagd Land Fluss“ teilten sich die Jugendlichen in sprachlich gemischte Gruppen auf und erkundeten, ausgestattet mit Audio-Guides, das Museum. Gemeinsam galt es, eine Rallye zu meistern, die die deutschen und tschechischen Schüler durch alle Bereiche des Museums führte. Beispielsweise mussten das Motto des Nationalparks in beiden Sprachen gefunden – „Natur Natur sein lassen“ auf Deutsch und „Přírodu nechat přírodou“ auf Tschechisch – und Fragen zu tierischen Grenzgängern wie dem Luchs und dem Wolf beantwortet werden. Auch das Lösungswort am Ende der Museumsrallye ergab sich zweisprachig: „Waidmannsheil“ auf Deutsch, „Lovu zdar“ auf Tschechisch.

So wie Geister und Tiere keine Landesgrenzen kennen, konnten die am Austauschprojekt beteiligten Jugendlichen beim vorletzten Programmpunkt, einer Führung durch das Schulhaus in der St.-Gunther-Straße in Freyung, etwas sie Verbindendes feststellen: Ihr Alltag als Schüler, die Ausstattung der Klassenzimmer und der Aufbau des Schulgebäudes sind an beiden Orten ziemlich gleich.

Auch beim letzten Programmpunkt herrschte nationenüberschreitendes Einverständnis: Beim gemeinsamen Mittagessen in der Mensa des Gymnasiums ließen sich alle gleichermaßen die Schnitzel mit Pommes und Ketchup schmecken.

Finanziert wurden das Mittagessen und die Busfahrt von dem Projekt „Schule ohne Grenzen“ der Euregio, für das im Landratsamt Freyung-Grafenau die Abteilung für grenzüberschreitende Partnerschaften verantwortlich zeichnet. Daher begleitete Thomas Rodler vom Landratsamt den Begegnungstag der deutschen und tschechischen Schülerinnen und Schüler.

Das nächste Treffen ist bereits in Planung. Noch dieses Schuljahr wollen die Freyunger und die Prachaticer gemeinsam Český Krumlov erkunden.

 

Text und Bilder: Tanja Wagner (2019)

 

Fotos:

1.Tomáš Soumar (vorne von rechts), Michael Köberl, Marie Myšáková und Notburga Schreiner mit den am Austausch beteiligten Klassen aus Prachatice und Freyung

2. Josef Wurm (links) und Matthias Blob (rechts) bereicherten die Veranstaltung musikalisch.

3. Karl-Heinz Reimeier beim Vorlesen seiner spannenden Weihrazgeschichten in der Kreisbibliothek

4. Stolz zeigen die Freyunger Schülerinnen und die Prachaticer Schüler, was sie als Team bei der Museumsrallye schon herausgefunden haben

 

 


Gymnasien Freyung und Prachatitz setzen langjährige Partnerschaft in neuem Rahmen fort

„Schule ohne Grenzen“ führt Achtklässler im tschechischen Prachatitz zusammen

 

Die Schülerinnen und Schüler der 8c des Gymnasiums Freyung folgten sehr gerne der Einladung der Deutschklasse des Prachatitzer Gymnasiums zu einem Besuch in ihrer Schule in der südböhmischen Stadt. Mit großer Spannung warteten die tschechischen Schülerinnen und Schüler auf ihre neuen Austauschpartner in der Aula der ehemals deutschen Schule in Prachatitz. Welcher deutsche Schüler würde ihnen wohl zugelost werden? Denn nach der Begrüßung durch den tschechischen Deutschlehrer Tomas Soumar hieß es, sich in internationalen Teams zusammenzufinden und sich gegenseitig zu den beiden Ländern und zum Schulsystem zu interviewen. Die Freyunger erfuhren auf diese Weise, dass der längste Fluss Tschechiens die Moldau ist und es in Tschechien beispielsweise nur fünf, und nicht sechs Notenstufen gibt, der Fächerkanon aber sehr ähnlich ist.

Im Anschluss gingen die Schülerinnen und Schüler auf gemeinsame Entdeckungstour durch das Schulgebäude. Auch die historisch bedeutende Altstadt wurde besichtigt, wo die Freyunger Schülerinnen und Schüler mit der Geschichte von Prachatitz bekannt gemacht wurden. Dabei stießen sie nicht nur auf deutsche Inschriften an Hausmauern, sondern auch auf Abbildungen deutscher Kaiser und Erinnerungen an den Goldenen Steig, dem berühmten historischen Handelsweg von Passau nach Prag, der sowohl durch Freyung als auch durch Prachatitz führte.

Im Fokus stand den ganzen Tag über das direkte Gespräch zwischen den tschechischen und deutschen Schülerinnen und Schülern auf Deutsch.

Am Ende waren die Schülerinnen und Schüler kaum voneinander zu trennen und alle freuen sich schon sehr auf das nächste Treffen, das in Freyung stattfinden und ebenso wie das Treffen in Prachatitz im Rahmen des Projekts „Schule ohne Grenzen“ durch das Programm INTERREG V der Euregio finanziert wird.

 

Michael Köberl (2018)